Es ist immer dieselbe Szene. Man sitzt abends am Küchentisch, will irgendetwas Kleines erledigen - eine Meldebestätigung, einen Antrag, einen Blick ins Konto beim Finanzamt - und die Seite sagt freundlich: Bitte melden Sie sich mit ID Austria an.
Und dann ist der Abend gelaufen.
Was ID Austria eigentlich ist
Vereinfacht gesagt: Ihr Ausweis für das Internet. Sie weisen damit gegenüber Behörden und immer mehr privaten Stellen nach, dass Sie wirklich Sie sind. Und Sie können damit Dokumente rechtsgültig elektronisch unterschreiben.
ID Austria ist die Nachfolgerin der Handy-Signatur. Wer die früher hatte, wurde in den vergangenen Jahren umgestellt. Wer sie nie hatte, steht jetzt vor der Registrierung.
Was Sie damit tatsächlich machen können
- FinanzOnline, also Arbeitnehmerveranlagung, Bescheide, Adressänderung.
- Anträge über oesterreich.gv.at, etwa Meldebestätigungen oder Wahlkarten.
- Die digitale Version Ihres Führerscheins in der App.
- Verträge elektronisch unterschreiben, ohne Drucker und Scanner.
- Zugang zu ELGA, also Ihren eigenen Gesundheitsdaten.
Der letzte Punkt überrascht viele. Man kann tatsächlich selbst nachschauen, welche Befunde und welche Medikamente über einen gespeichert sind. Ein bisschen unheimlich beim ersten Mal, aber sehr aufschlussreich.
Die Registrierung: der unvermeidliche Behördengang
Und hier kommt der Haken. Für die volle Funktion braucht es eine Identitätsfeststellung, und die passiert grundsätzlich persönlich.
Registrierungsstellen sind unter anderem Gemeindeämter, Magistrate, Bezirkshauptmannschaften, Passämter, Finanzämter und einige weitere Stellen. Welche in Ihrer Nähe das anbietet, finden Sie auf oesterreich.gv.at. Ob Sie einen Termin brauchen, ist je nach Amt unterschiedlich - anrufen spart Ihnen möglicherweise eine sinnlose Fahrt.
Mitnehmen sollten Sie:
- Einen amtlichen Lichtbildausweis, also Reisepass oder Personalausweis.
- Ihr Handy. Wirklich, das Handy. Ohne geht es nicht, weil die Aktivierung darüber läuft.
- Etwas Geduld, aber meist weniger als befürchtet.
Für bestimmte Konstellationen gibt es auch Online-Registrierungswege, etwa wenn Sie bereits einen Zugang zu FinanzOnline haben oder über die Bank identifiziert werden können. Ob das für Sie funktioniert, hängt vom Einzelfall ab.
Die App, und warum sie am Anfang nervt
Nach der Registrierung installieren Sie die Digitales-Amt-App und aktivieren Ihre ID Austria darin. Ab dann läuft jede Anmeldung so: Sie klicken auf einer Website auf Anmelden, bekommen aufs Handy eine Anfrage, bestätigen mit Fingerabdruck oder Gesicht, fertig.
Die ersten drei Male fühlt sich das umständlich an. Danach dauert es acht Sekunden und Sie fragen sich, warum Sie das Jahre lang aufgeschoben haben.
Der Punkt, an dem die meisten scheitern
Das neue Handy. Wenn Sie das Gerät wechseln, muss die ID Austria auf dem neuen Gerät neu aktiviert werden. Das ist grundsätzlich vorgesehen und machbar, aber es geht deutlich leichter, solange Sie das alte Gerät noch haben.
Also: Bevor Sie das alte Handy verkaufen oder zurückgeben, ID Austria umziehen. Ein Satz, der Sie einen halben Tag Ärger ersparen kann.
Sicherheit, ohne Paranoia
Ja, es ist ein starker Schlüssel. Wer Ihre ID Austria und Ihr Handy hat, kann in Ihrem Namen einiges tun. Deshalb: Bildschirmsperre einschalten, den Sicherheitscode nicht auf einem Zettel im Geldbörsel mit sich herumtragen, und wenn das Handy weg ist, die ID Austria sperren lassen. Die Sperrmöglichkeit ist rund um die Uhr vorgesehen.
Umgekehrt gilt aber auch: Kein seriöser Dienst schickt Ihnen unaufgefordert eine SMS mit der Bitte, Ihre ID Austria irgendwo zu bestätigen. Wenn eine Bestätigungsanfrage kommt, ohne dass Sie gerade etwas anmelden wollten, dann lehnen Sie sie ab. Kommentarlos.
Elektronisch unterschreiben, ohne Drucker
Die Funktion, die am meisten Zeit spart und am wenigsten bekannt ist: Sie können mit ID Austria Dokumente rechtsgültig signieren.
Das läuft üblicherweise so, dass Sie ein PDF auf einer entsprechenden Signaturseite hochladen, sich mit ID Austria authentifizieren und das signierte Dokument zurückbekommen. Am Ende steht ein Signaturblock im PDF, an dem sich prüfen lässt, wer unterschrieben hat.
Wer schon einmal ein Formular ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt und dann wieder verschickt hat, weiß, wie viel Lebenszeit das über die Jahre frisst. Und wer keinen Drucker daheim hat, hat den Weg ins Copyshop ohnehin gehasst.
Wenn etwas nicht funktioniert
Es gibt drei Klassiker, und alle drei sind lösbar.
Die Anfrage kommt nicht am Handy an. Meist liegt es an den Benachrichtigungseinstellungen oder an einem Energiesparmodus, der die App schlafen legt. Öffnen Sie die App manuell, dann ist die Anfrage in der Regel dort.
Die Registrierung ist abgelaufen oder gesperrt, weil zu oft der falsche Code eingegeben wurde. Dafür gibt es Entsperrwege, oft über die Servicelinie oder eine Registrierungsstelle.
Und schließlich: Die Website akzeptiert die Anmeldung nicht, obwohl alles passt. Probieren Sie einen anderen Browser. Klingt nach einem Ratschlag aus dem Jahr 2011, hilft aber verblüffend oft.
Lohnt sich das für Sie?
Wenn Sie einmal im Jahr eine Meldebestätigung brauchen: eher nicht dringend. Wenn Sie berufstätig sind, Kinder haben, umziehen, pendeln, Anträge stellen, Rezepte brauchen: absolut.
Der November ist übrigens ein guter Monat dafür. Die Ämter sind ruhiger als im Frühjahr, und wenn Sie es jetzt erledigen, sitzen Sie im Jänner nicht wieder mit dem gleichen Problem am Küchentisch und schauen aus dem Fenster, wo es schon wieder finster ist.



