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ÖGK & Gesundheit

Hausarzt wechseln: Warum die meisten es aufschieben, obwohl es so einfach wäre

29. September 2025

Es gibt Beziehungen, aus denen kommt man schwer raus. Die zum Hausarzt gehört dazu. Man kennt den Geruch im Wartezimmer, man kennt die Ordinationsassistentin beim Vornamen, und irgendwie fühlt sich ein Wechsel an wie eine Kränkung.

Dabei ist es, verwaltungstechnisch gesehen, eine der unspektakulärsten Sachen, die man in Österreich tun kann.

Der Mythos vom Quartal

Fast jeder hat es schon einmal gehört: Man dürfe nur zu Quartalsbeginn wechseln, sonst zahle man selbst. Diese Regel geistert seit Jahrzehnten durch die Wartezimmer, und sie stimmt so pauschal nicht mehr.

Grundsätzlich gilt heute: Sie können mit Ihrer E-Card zu einer Kassenärztin oder einem Kassenarzt Ihrer Wahl gehen. Es gibt Konstellationen, in denen ein Wechsel innerhalb desselben Quartals Rückfragen auslöst, etwa wenn Sie mehrmals hintereinander wechseln. Die genaue Handhabung kann sich je nach Fachrichtung und Bundesland unterscheiden. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, fragen Sie kurz in der neuen Ordination nach, ob sie Sie ohne Weiteres aufnehmen.

Wie Sie einen finden, der Sie überhaupt nimmt

Das ist der eigentliche Engpass. Nicht das Formular, sondern der Platz.

Die ÖGK und die Ärztekammern führen Suchsysteme, in denen man nach Fachrichtung, Bezirk und Kassenvertrag filtern kann. Über oesterreich.gv.at und die Seiten der ÖGK kommen Sie zu diesen Verzeichnissen. Aber ehrlich: Der Anruf ist immer noch die verlässlichste Methode. Fragen Sie direkt, ob neue Patientinnen und Patienten aufgenommen werden.

Und wenn die Antwort Nein ist, fragen Sie, ob eine Warteliste geführt wird. Erstaunlich viele Ordinationen führen eine, sagen es aber nur auf Nachfrage.

Was Sie mitnehmen sollten

  • Die E-Card. Ohne die geht in der ersten Minute gar nichts.
  • Eine Liste Ihrer Medikamente, mit Dosierung. Nicht aus dem Kopf, sondern abgeschrieben oder abfotografiert.
  • Befunde der letzten Jahre, wenn Sie welche haben. Die alte Ordination gibt Ihnen auf Wunsch Kopien.

Der letzte Punkt ist der, an dem es emotional wird. Man muss ja hingehen und sagen, dass man wechselt. Sie müssen das nicht begründen. Ein freundliches Ersuchen um die Befundkopien reicht völlig.

ELGA nimmt Ihnen einiges ab

Ein Teil Ihrer Gesundheitsdaten liegt ohnehin in ELGA, der elektronischen Gesundheitsakte. Entlassungsbriefe aus dem Spital, Laborbefunde, die Medikationsliste. Der neue Arzt kann darauf zugreifen, solange Sie nicht widersprochen haben.

Was in ELGA nicht landet: die handschriftliche Notiz aus der Ordination, dass Ihnen bei Blutabnahmen regelmäßig schwindlig wird. Solche Kleinigkeiten sind es, die eine gute Betreuung ausmachen, und die müssen Sie beim Neuanfang selbst erzählen.

Der Herbst ist der ungünstigste Zeitpunkt - und trotzdem der beste

Ab Oktober füllen sich die Wartezimmer. Impfungen, Erkältungen, die ersten Krankenstände. Wer da neu dazukommt, hat es schwerer, einen ruhigen Ersttermin zu bekommen.

Andererseits: Genau jetzt merken Sie, ob eine Ordination funktioniert. Wie lange dauert es bis zum Rückruf? Wird das Telefon überhaupt abgehoben? Gibt es ein Onlinesystem für Rezepte, oder müssen Sie für jede Packung Blutdrucktabletten persönlich erscheinen? Eine Ordination, die im Oktober organisiert wirkt, ist es im März erst recht.

Wahlarzt statt Kassenarzt

Bleibt noch die Variante, auf die viele ausweichen: die Wahlärztin. Dort zahlen Sie zunächst selbst und reichen die Honorarnote danach bei der ÖGK ein. Erstattet wird in der Regel nur ein Teil des Betrags, üblicherweise orientiert am Kassentarif, und der liegt oft deutlich unter dem, was Sie bezahlt haben.

Das kann sich lohnen, wenn Ihnen Zeit und Termintreue wichtiger sind als Geld. Es ist aber keine Lösung für alle, und man sollte es nicht so nebenbei entscheiden, wie es oft passiert.

Woran Sie eine gute Ordination erkennen

Nicht am Wartezimmer. Nicht an der Einrichtung, und schon gar nicht daran, ob es Zeitschriften aus diesem Jahr gibt.

Sondern daran, ob jemand Ihnen zuhört, ohne schon beim dritten Satz auf die Tastatur zu greifen. Daran, ob erklärt wird, warum eine Untersuchung gemacht wird. Daran, ob man bei einer Überweisung sagt, worauf es ankommt, statt Ihnen einen Zettel in die Hand zu drücken.

Und, ganz praktisch: ob es ein funktionierendes System für Rezepte und Befunde gibt. Eine Ordination, in der man für jede Packung Dauermedikament persönlich erscheinen muss, kostet Sie über die Jahre viele halbe Vormittage.

Das erste Gespräch vorbereiten

Beim Erstbesuch wird die Krankengeschichte aufgenommen, und dieses Gespräch entscheidet oft darüber, wie gut Sie in den nächsten Jahren betreut sind.

Schreiben Sie sich vorher auf: Vorerkrankungen, Operationen mit ungefährem Jahr, Allergien und Unverträglichkeiten, was in der Familie gehäuft vorkommt, Ihre Medikamente. Und, falls es Sie betrifft, was Ihnen bei früheren Behandlungen unangenehm war.

Klingt nach Hausaufgabe. Ist aber der Unterschied zwischen einem Erstgespräch, das nach zehn Minuten fertig ist, weil Sie sich an nichts erinnern, und einem, nach dem Ihr Gegenüber tatsächlich weiß, mit wem es zu tun hat.

Ein Gedanke zum Schluss

Es gibt Menschen, die seit zwanzig Jahren zu einem Arzt gehen, bei dem sie sich nicht wohlfühlen, weil ein Wechsel unhöflich wäre. Ich habe das lange selbst getan.

Aber die Ordination ist kein Freundeskreis. Sie ist ein Ort, an dem Sie in einem schlechten Moment gut betreut werden sollen. Wenn das nicht passt, ist das kein Drama und kein Verrat. Es ist nur ein Anruf.

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